Gespeichert von Christoph am/um Mo, 07/20/2026 - 00:00
Vortrag von Dr. Hansjörg Buss, Berlin/Siegen
20. Juli 2026
Ev. Gemeindehaus - 19.00 Uhr
Im Zwingel 3, Dillenburg
Das gescheiterte Attentat von Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler, das sich heute zum 82. Mal jährt, ist immer noch eines der prominentesten Beispiele des innerdeutschen Widerstands gegen die Barbarei des Nationalsozialismus. Bei den vergleichsweise wenigen und sehr unterschiedlich motivierten Formen des Widerstands gegen das NS-Regime spielten immer wieder auch Christen und christliche Motive eine wichtige Rolle. Dies gilt für Perseonen im weiteren Umkreis des Stauffenberg-Attentats und noch viel deutlicher etwa bei dem studentischen Widerstand der "Weißen Rose", dem "Kreisauer Kreis" oder der "Bekennenden Kirche" innerhalb der evangelischen Kirche. Zu Letzterem gehörten auch der Pfarrer Wilhelm Jannasch und seine Frau Elisabeth, die 2020 von der nternationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem wegen ihrer Unterstützung von verfolgten Juden die Ehre von "Gerechten unter den Völkern" zuteil werden.
Wilhelm Jannasch stammt aus der Herrnhuter Brüdergemeine und war ab 1914 zunächst Pfarrer an der St. Aegidienkirche in Lübeck. Schon 1931 wandte er sich öffentlich dagegen, dass der Antisemitismus in die Kirchen getragen werde. Wegen seines entschiedenen Auftretens geriet er nach Beginn der NS-Herrschaft unter Druck, wurde zeitweise inhaftiert und schließlich 1934 entlassen. Ab 1936 wirkte er in Berlin für die Bekennende Kirche, war an der bekannten Denkschrift zur Olympiade 1936 beteiligt, die klar wie selten gegen die Übergriffe des NS votierte. Ab 1940 war er Pfarrer in Berlin-Friedenau, die mit einem Netzwerk verfolgte Juden vor der Deportation und Ermordung zu schützen suchte. Martin Niemöller warb ihn im April 1946 als Dekan für die in Gründung befindliche Mainzer Fakultät.
Der Historiker Hansjörg Buss stellt in seinem Vortrag das Pastorenehepaar näher vor und geht dabei auch auf eine Predigt ein, die Jannasch am 13. November 1938, also wenige Tage nach der Reichspogromnacht, in der evangelischen Stadtkirche Dillenburgs hielt und die 2025 mit Hilfe von KI teilweise lesbar gemacht werden konnte.
Dr. Hansjörg Buss, geb. 1971, studierte Geschichte, Politische Wissenschaft und Jura (öffentliches Recht). Zur Zeit ist er u.a. Lehrbeauftragter am Seminar für Evangelische Theologie der Universtiät Siegen. Er ist Verfasser einer Reihe von fundierten Arbeiten zur Kirchen- und Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts, u.a. "'Entjudete' Kirche. Die Lübecker Landeskirche zwischen christlichem Antijudaismus und völkischem Antisemitismus (1918-1950)" (Paderborn 2011).